Mit seinem Essay "Ex Nihilo - Eine Geschichte von zwei Städten" reflektiert der niederländische Schriftsteller Cees Nooteboom die Stadt der Moderne. Anhand der Beispiele Brasília und Chandigarh untersucht er, wie diese streng am Reißbrett entstandenen Musterbeispiele des modernen Städtebaus von ihren Bewohnern verändert und genutzt werden. Die begleitenden Bilder des Fotografen Iwan Baan treten in einen Dialog mit Nootebooms Text. Sie zeigen die alltägliche Verwendung der Architektur der Meisterarchitekten Oscar Niemeyer und Le Corbusier durch die Menschen, die hier leben. Das Buch ist eine Neuausgabe unserer Publikation "Brasília - Chandigarh" in deutscher Sprache und handlichem Format.
Gebäude sind Gebrauchsgegenstände, keine autonomen Kunsterwerke, beschreibt Moritz Scheper die Philosophie des Fotografen Iwan Baan, für den er nur lobende Worte bereithält. Baan vermeide beinahe alle Fehler, die Kritiker der modernen Architektur-Fotografie häufig zum Vorwurf machen: weder isoliert er seine Objekte, noch widmet er sich über- und unmäßig ihren Silhouetten oder ignoriert die Intention ihrer Konstrukteure. Stattdessen arbeitet er die "Diskrepanz von Entwurf und Wirklichkeit" heraus - die sogar komisch werden kann, wenn eine noch so intelligente Raumplanung durch die Realität eines chaotischen Ablagesystems konterkariert wird oder wenn Trampelpfade das sorgfältig ausgearbeitete Straßennetz spontan erweitern. So viel Lob der Rezensent auch für Baan bereithält, "Ex Nihilo - Eine Geschichte von zwei Städten" ist für ihn nur die relativ "lieblose deutsche Ausgabe einer englischen Baan-Monografie". Cees Noteboom hatte dieser englischen Version einen Aufsatz vorangestellt, der nun mittels Satzspiegel auf zwanzig Seiten ausgewalzt wurde, um eine eigenständige Veröffentlichung unter dessen Namen zu ermöglichen, erklärt Scheper harsch. Die Fotografien dienen dort zwar der Illustration von Notebooms Ausführungen, könnten aber schon einen Kauf rechtfertigen, lenkt Scheper etwas ein.
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