Müssen Philosophierende jederzeit recht haben wollen, selbst dann, wenn sie schreiben? Nein, antwortet Martin Seel: Sie müssen es nicht, wenn sie so frei sind, Gedankenspiele zu spielen, ohne Angst vor den Abenteuern der Künste zu haben. Wie das geht, führt dieses Buch aus der Perspektive der halb fiktiven, halb realen Figur dessen, der es gerade schreibt, in drei Runden vor. Die erste erkundet Wege, dem Zwang zum Rechthabenwollen zu entkommen. Die zweite überlässt sich diesen Abwegen in einem Feuerwerk von Gedanken und Bildern. Die dritte erzählt davon, wie es dazu kam, dass der Autor jemand geworden ist, der nicht mit sich im Reinen sein möchte. Auf dem schmalen Grat zwischen Philosophie und Literatur entwickelt sich so ein zugleich philosophischer und literarischer Versuch über das Verhältnis beider Schreibarten und ihrer Stellung zum übrigen Leben.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 21.12.2018
Schlicht "brillant" findet Rezensent Thomas Ribi Martin Seels philosophische "Gedankenspiele", die ihn weg von der Sinnsuche und hin zur Evidenz führen. Wenn der Frankfurter Philosoph sich hier in assoziativen Denkbewegungen in Passagen aus Literatur, Kunstwerke, Szenen aus Filmen und vor allem in die Jazzmusik begibt, Theorien und Zwänge weit hinter sich lässt und allerlei "Gelegenheitsfunde" auftischt, nimmt der Kritiker viele "erfrischtende" Erkenntnisse aus der Lektüre mit.
Rezensionsnotiz zu
Die Zeit, 22.11.2018
Rezensentin Maja Beckers findet jede Menge gute Argumente gegen das Rechthabenwollen in Martin Seels Buch. Ein Fest des Denkens feiert der Autor laut Beckers insofern, als er ein Experiment wagt: etwas zu sagen, ohne recht haben zu wollen. Dass der Philosoph hiermit die Grenze zur Literatur überschreitet, weiß Beckers. Seels Gedankenspiel fasziniert sie mit Abschweifungen, Aphorismen, Assoziationen, lose verbunden, unterhaltsam, witzig, scharf und enorm anregend, wie die Rezensentin findet. Eine gelungene Anleitung, den roten Faden zu verlieren und ins Denken zu finden, meint sie.
Caroline Wahl: 1999 Meter über dem Meer Der Selbstfindungstrip nach Bali? Samara hat niemanden gefunden. Die hippe Agentur in Berlin-Mitte? So öde wie irgendein anderer Job. Samara weiß, was sie alles nicht mehr… Valeria Gordeev: Die Zikade entschlüpft ihrer goldglänzenden Hülle Konstantin und Lada haben den Kontakt verloren. Während Konstantin in einem unterirdischen Forschungslabor festsitzt, das Lenins Leichnam konserviert, kämpft seine Schwester… Dana Vowinckel: Anton und Alma Anton und Alma lernen sich bei einem Schüleraustausch in der Bretagne kennen. Jahre später treffen sie sich auf einer Party wieder. Beide kommen aus Berlin und studieren… Shida Bazyar: Die Lücken Heimesbach im Hunsrück ist ein fiktiver Ort, an dem sich neunzig Jahre deutscher Geschichte in die Mauern und Biografien eingenistet haben. Es ist eine Gemeinde, die ihre…