Peter Demetz (Hg.)

Fin de siecle

Tschechische Novellen und Erzählungen
Cover: Fin de siecle
Deutsche Verlags-Anstalt (DVA), München 2004
ISBN 9783421052513
Gebunden, 266 Seiten, 19,90 EUR

Klappentext

Herausgegeben mit einem Vorwort von Peter Demetz. Nachwort von Nekula Marek. Fin de siecle - das ist in der tschechischen Literatur die Zeit von Zeyer, Karasek und Arbes, Lesehrad, Marten, Neruda und Theer. Höhenflüge der Empfindsamkeit und der nervösen Phantasie und Abgründe der Leidenschaft und des Mysteriösen finden in ungewöhnlich reicher Sprache kunstvollen Ausdruck in ihrer Dekadenzdichtung. Von den acht Texten des Bandes erscheinen fünf erstmals in deutscher Übersetzung.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 11.05.2005

Hans-Peter Riese hält große Stücke auf die "Tschechische Bibliothek" der Deutschen Verlags-Anstalt, die dank einer großzügigen Förderung durch die Robert-Bosch-Stiftung, wie Riese erläutert, jedes Jahr mit vier Bänden aufwarten kann. Dem breiten Publikum hat sich diese Reihe leider noch nicht erschlossen, stellt Riese fest, dazu sind die Veröffentlichungen zu speziell, wenn auch von größter Exklusivität (der "Ur-Schwejk" beispielsweise) und höchster Kennerschaft, wie ihm die jeweiligen Einleitungen und Kommentierungen zeigten. Auch der jüngste Band der Reihe zum "Fin de siecle" werde nicht zur Popularisierung der "Tschechischen Bibliothek" beitragen, befürchtet Riese. Zwar enthalte das Buch mit der kleinen Novelle "Zu den drei Lilien" von Jan Neruda ein echtes Fundstück, das in seiner realistischen Darstellung weit über das Genre hinausgehe, schwärmt der Rezensent. Viele andere Autoren lassen ihn jedoch mit ihrem übersteigerten Mystizismus oder ihrer überzogenen Religiosität eher ratlos zurück, da kann auch der kundige Abriss zur Tschechischen Literatur der Jahrhundertwende von Marek Nekula nicht weiterhelfen. Auch der Versuch der Herausgeber, eine Verbindung zur deutschsprachigen Prager Literatur herzustellen, kann Riese nicht überzeugen. Das waren zwei grundverschiedene Welten, hält er fest.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 25.11.2004

Alena Wagnerova findet es sehr begrüßenswert, dass mit diesem Erzählungsband nun auch die "bisher unzureichend gewürdigte" tschechische Literatur des Fin de siecle zu entdecken ist. Sie stellt durchaus überrascht Übereinstimmungen mit der deutschen und französischen Literatur der Jahrhundertwende fest und erkennt als Novum dieser Epoche, dass die tschechische Literatur sich vom Streben nach "nationaler Emanzipation" abwendet und stattdessen die "Entdeckung der Subjektivität" feiert. Die Rezensentin lobt das "aufschlussreiche Nachwort" von Marek Nekula und die besondere Leistung der Übersetzerin Kristina Kallert, die fünf der acht Erzählungen "mit einem feinen Gespür für Stil und Sprache" ins Deutsche übertragen hat, wie sie betont. Als schweres Versäumnis dagegen kritisiert sie, dass der Herausgeber Peter Demetz aus der tschechischen Literatur des Fin de Siecle eine "reine Männersache" gemacht hat, obwohl genug Erzählungen von Schriftstellerinnen vorgelegen hätten, wie sei weiß.
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