Die Journalisten Rainer Fromm und Richard Rickelmann haben Ärzte und Kassenvertreter interviewt und Patienten auf der Suche nach der richtigen Behandlung begleitet. Das Ergebnis ist erschreckend: Obwohl so viel Geld wie nie ins Gesundheitssystem gepumpt wird, kommt immer weniger beim Patienten an. Aber warum ist das so? Weil andere es abzocken und missbrauchen. Ärzte sichern sich ihr Einkommen verstärkt durch Gefälligkeiten für die Pharmaindustrie, die Privatisierung der Kliniken degradiert Patienten vollends zur reinen Ware, dringend benötigte Leistungen werden rationiert, während zugleich ältere Menschen an Übermedikation sterben.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 20.10.2010
Michel Imhof ist schockiert. Was das Autorenduo Rainer Fromm und Richard Rickelmann in seinem Buch an Beispielen für Korruption, Vorteilsnahme und Lobbyistentum unter Ärzten und Pharmavertretern im deutschen Gesundheitswesen zusammenträgt, lässt unseren Rezensenten erschaudern. Die von Fromm und Rickelmann in Interviews mit Ärzten, Patienten, Krankenkassen und Gesundheitsökonomen recherchierten Folgen der Privatisierung von Krankenhäusern sowie der von ihnen erkundete graue Pharmamarkt lassen ihn gleichfalls erbleichen. Angesichts der Pflegedefizite, der großflächigen Medikalisierung der Gesellschaft und des immer größer werdenden Mangels an Empathie fragt sich Imhof schon, warum sich kein Widerstand regt. Dieses Buch über den Tod des Solidarsystems, meint er, gehört in jedes Wartezimmer.
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