Aus dem Amerikanischen von Günter Ohnemus. Brüche im Leben des Attentäters werden aufgedeckt, auch gesellschaftliche Mängel - doch es gibt keine vereinfachten Schuldzuweisungen. Robert Harnum lässt den Täter selbst zu Wort kommen und liefert die schockierende Innenansicht eines ganz normalen Jungen, der sich selbst fremd geworden ist. Völlig ungerührt berichtet er von den Geschehnissen - so, als beträfen sie ihn gar nicht.
Rezensionsnotiz zu
Die Zeit, 25.11.2004
Auf den ersten Blick kommt Robert Harnums neues Buch ganz normal daher, weiß Rezensent Konrad Heidkamp. Der 17-jährige Protagonist hat die Probleme, die Jugendliche für gewöhnlich so haben - mit der Schule, der Freundin, seinem Computer. Doch nach einigen Seiten werde der Roman "unmerklich kälter", bis der Junge schließlich 19 Schüsse aus dem Gewehr seines Onkels auf Lehrer und Mitschüler abfeuert. Die "auf Kühlstufe gestellte" Gefühlswelt des Täters wirke in Harnums Sprache "mechanisch" - die Morde erscheinen als Reaktion, ohne Motiv, "ohne Not". So widerspricht der Rezensent auch Kollegen einer kanadischen Zeitung nicht, die Harnums Figur mit Mersault in Albert Camus' Der Fremde verglichen haben. Dem Leben ebenso entfremdet wie dem Tod - so zeichnet der Autor seinen Antihelden und lässt den Kritiker schließen: Um den Ton der Jugendlichen zu treffen, muss, ja darf man ihn nicht "imitieren".
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 01.10.2004
Die Rezensentin Hilde Elisabeth Menzel ist beeindruckt von diesem Jugendbuch über einen ganz normalen, erfolgreichen, wenn auch emotional etwas abgekapselten Jungen namens Philip, der zum Amokläufer wird. Erst als Philip in der Todeszelle sitzt, findet er zum ersten Mal in seinem Leben eine Art Frieden. Sie hebt hervor, wie wenig dieser Roman bewertet und wie wenig er nach psychologischen Erklärungen sucht. Ihrer Meinung nach hebt sich die Erzählung dadurch von vergleichbaren Jugendbüchern ab: "ein harter, verstörender Roman von hohem literarischem Rang, der sich durch die unterkühlte, distanzierte Sprache von Erzählungen ähnlichen Inhalts unterscheidet", resümiert sie.
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