Endlich sind sie in einem Sammelband verfügbar: die beliebten Kolumnen, die unter dem Titel "Zensurspiele" in der "Berliner Zeitung" auf amüsant-pointierte Weise Wissenswertes und Kurioses aus dem Archivalltag der Germanistin Simone Barck und des Verlagshistorikers Siegfried Lokatis zu Tage förderten. Sie handeln allesamt von der Zensur im offiziellen Sprachgebrauch der DDR: "Druckgenehmigungsverfahren". Die großen Namen der DDR-Literatur, politische Direktiven und Skandale sind dabei jedoch nur ein Teil des Bildes. Genauso spannend und oft sonderbar zu lesen sind die Vorgänge um die breiten übrigen Bereiche des DDR-Literaturbetriebs, denn auch bei Kinderbüchern, Fachliteratur zur Rinderbesamung oder in der Kalender- und Landkartenproduktion galt es tagtäglich, brisante Klippen zu umschiffen nicht nur für Verleger, Autoren, Illustratoren und Lektoren, sondern auch für Zollbeamte und Bücherschmuggler.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 04.03.2009
Für Sabine Brandt war diese Lektüre ein "grimmiger Spaß". Brandt wundert sich selbst, wie das Zensurgebaren der DDR im kulturellen, insbesondere literarischen Bereich sie dermaßen erheitern konnte. Doch liegt das, wie Brandt feststellt, natürlich nicht an den beschämenden historischen Einzelheiten, die die Autoren um Simone Barck und Siegfried Lokatis hier erschöpfend präsentieren, sondern am Ton der Darstellung. Und der ist bei aller Kompetenz der Beiträger munter parlierend. Der sich in den entsprechenden Gutachten der Stasi zeigende Irrsinn wird der Rezensentin so offenbar erträglicher. Für ein Lächeln auf ihrem Gesicht sorgt auch der sorgfältig gemachte Anhang mit Namensregister und Abkürzungserklärungen zum Planeten DDR.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 09.07.2008
Mit Simone Barck, die zwischen 1970 und 1991 beim Zentralinstitut für Literaturgeschichte der Akademie der Wissenschaften der DDR tätig war und dem Medienwissenschaftler aus der Bundesrepublik, Siegfried Lokatur, präsentiert sich dieses Buch gewissermaßen als Blick von innen und außen auf die Zensurpraxis der DDR, stellt Jörg Magenau fest. Umso verwunderlicher findet er, dass man letztlich in den Kolumnen, die zwischen 2003 und 2007 in der Berliner Zeitung erschienen sind und nun zu einem Buch zusammengefasst wurden, diesen Unterschied nicht besonders wahrnimmt. Nicht die spektakulären Zensurfälle geraten ins Visier der Autoren, sondern vor allem anekdotische "Kuriositäten", die mit spürbarer Erzählfreude vermittelt werden, wie der Rezensent eingenommen feststellt. Wenn sich daraus doch eher eine Publikations- und Verlagsgeschichte als eine vom Untertitel versprochene "heimliche Literaturgeschichte" ergibt, so ist das nach Ansicht Magenaus nicht schlimm, formiert sich unterm Strich doch trotzdem so etwas wie eine "inoffizielle Literaturgeschichte".
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