Roman über die Kunst, einen Roman zu schreiben. Zum ersten Mal seit seinem Debüt Mein Leben in Aspik (2010) gibt uns Steven Uhly mit seinem neuen Roman Nichts als Freude! Einblick in seine Kunst. Er tut es im Stil eines echten Erzählers und mit einer Geschichte, deren Auslöser auf ein scheinbar unbedeutendes Ereignis während eines Aufenthalts in Kanada im Sommer 2025 zurückgeht: Die Tochter eines Freundes und selbst angehende Erzählerin wollte wissen, wie es ist, einen Roman zu schreiben. Dabei fragte sie nicht nach Techniken oder Skills, sondern nach dem Gefühl. Und genau diese Neugier war impulsgebend für eine meisterhaft erzählte Erforschung jener mysteriösen Quelle, aus der wir Menschen etwas schöpfen, das im Nachhinein als Geschichte, Erzählung, Roman oder wie auch immer bezeichnet wird. Doch der Erzähler weiß, dass wir dies nicht im leeren Raum tun. Denn wir sind eingebunden in ein Leben, in Umstände und Situationen. Und so erzählt Steven Uhly uns wie nebenbei eine sehr persönliche Liebesgeschichte und lässt uns wissen, warum er immer noch und immer wieder in der Lage ist, sich selbst neu zu erfinden und uns mit seinen außergewöhnlichen Geschichten zu beschenken.
Für Rezensentin Angela Gutzeit ist dieser neue Roman von Steven Uhly ein "lesenswertes Hohelied" darauf, dass Literatur Gewissheiten infragestellen und die Grenzen zwischen Wahrheit und Täuschung verwischen kann. Der Ausgang ist eine Figurenkonstellation, die erstmal Irritation provoziert: 60-jähriger Schriftsteller erklärt 32-jähriger Frau, wie man ein Buch schreibt, so Gutzeit. Bedenken um Mansplaining nimmt der Erzähler aber gleich vorweg: Die Reflexe, die die Leute angesichts dieser Konstellation haben, würden vom "eigentlichen Thema" ablenken. Das eigentliche Thema, destilliert die Kritikerin heraus, ist nämlich genau die Frage, welche Möglichkeiten, Wahrnehmungen und Wahrheiten es gibt in einer Geschichte, in der Ehepartner eifersüchtig sind und sich gegenseitig misstrauen und jüngere Frauen und buddhistische Priester die Beziehungen verkomplizieren. Daraus macht Uhly der Kritikerin zufolge ein Spiel der Möglichkeiten, wenn er seinen Schriftsteller-Erzähler die Figurenkonstellation in allen möglichen Entwicklungen ausspielen lässt und damit eine "ständige Dekonstruktion von Gewissheiten" betreibt. Sie entnimmt dem Buch auch den Appell, die Wahrheit der Dichtung und der Fantasie nicht außer acht zu lassen.
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