Köln ist für seinen "Klüngel" nicht erst der neuesten Affäre um die SPD und die Müllverbrennungsanlage berühmt. Der Kölner Publizist Werner Rügemer legt in seinem Aufsatzband die horrenden Insidergeschäfte des legendären Oberbürgermeisters Konrad Adenauer dar. Er weiß von Verwicklungen des NS Bankiers Kurt von Schröder, des Industriellen Wolff von Amerongen, des Regierungspräsidenten Franz-Josef Antwerpes und anderer Prominenter zu berichten - seine Liste reicht bis in die Gegenwart. Dabei enthüllt er auch den lokalen Einfluss regionaler Monopole: Kölner Stadtanzeiger, Bankhaus Oppenheim, Müllhändler Trienekens/RWE - sie alle sind Protagonisten im "Filz"-Geschäft. Und ihr Einfluss beschränkt sich keineswegs auf Köln; sie sind "global player" in der Mittelstandsmaske.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 19.08.2002
Erich Eggers kann das Buch des Publizisten Werner Rügemer über den "Kölner Klüngel" gar nicht genug loben. "Ausgezeichnet" habe der Autor die Hintergründe dieses Skandals recherchiert. Und was sich da auftut, so der Rezensent, hat mit dem eher "folkloristisch anmutenden" und "verharmlosenden" Begriff nichts mehr gemein. Rügemer nennt alle beim Namen, die an der "dubiosen Spendenpraxis" beteiligt waren und, lobt Eggers, er zeigt auch die spezifischen Interessen der in den Skandal verwickelten Akteure auf. Besonders gut gefallen hat Eggers dabei, dass der Autor sein Thema nicht theoretisch angeht, sondern sich ganz praktisch mit den Menschen auseinandersetzt, die in diesem komplexen und weitreichenden System von Politik und Korruption die Strippen gezogen haben. Gerade diese Konkretheit sei die Stärke dieses Buches, das Eggers allein schon zur exemplarischen Veranschaulichung von korruptem Verhalten für "überaus wichtig" hält.
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