Matthes und Seitz, Berlin 2026
ISBN
9783751810715 Gebunden, 510 Seiten, 32
EUR
Klappentext
Aus dem Chinesischen von Daniel Fastner. China, 1901: Der italienische Fotograf Polino DiMarco reist den Kaiserkanal entlang - von Hangzhou bis nach Beijing. Er folgt den Spuren Marco Polos, begleitet von dem chinesischen Übersetzer Xie Pingyao. Was als Forschungsreise beginnt, wird zur existenziellen Odyssee durch ein Land im Umbruch: Der Boxeraufstand ist niedergeschlagen, die Kaiserinwitwe auf der Flucht, Reformbewegungen gescheitert. Polino begegnet Schiffern, Soldaten, Flüchtlingen - und der Geschichte seines Bruders Fedele, der ein Jahr zuvor als Soldat in China kämpfte und verschwand. Erzählt wird diese Geschichte aus der Sicht der Familie Shao, die seit Generationen auf dem Wasser lebt. Als Shao Xingchi 2012 heiratet, verlässt er das Leben auf dem Kanal - und erhält einen Kompass, der einst Polino gehörte, Symbol für Orientierung, Herkunft und Wandel. So verwebt Xu Zechen Vergangenheit und Gegenwart, Ost und West, Krieg und Liebe zu einem Roman über das Leben entlang einer der ältesten Wasserstraßen der Welt.
Rezensent Oliver Pfohlmann empfindet Xu Zechens Roman, der tief in Chinas Geschichte eintaucht und einen Hang zur Langsamkeit und zur Abschweifung entwickelt, fast als ketzerisch angesichts von Xis zukunftsgerichtetem rasantem China. Zwei Geschichten, eine über einen auf Marco Polos Spuren wandelnden Forschungsreisenden um 1900, der den Kaiserkanal bereist, und eine über einen TV-Journalisten, der 2014 über ebendiesen Kanal recherchiert, verbindet der Autor laut Pfohlmann mit Beschreibungsfuror und Humor und allerhand Figuren, Motiven und Perspektiven. Von Daniel Fastner "vorzüglich" übersetzt, ist der Roman für Pfohlmann auch ein Denkmal für den "großen Kanal", diese längste künstliche Wasserstraße der Welt.
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