JanSchmidt-Garre hat mit "Junkies of Dreaming - Mahler 3 Currentzis" einen Dokumentarfilm über TeodorCurrentzis gedreht. Dessen russische Verstrickungen, die ihn in den letzten Jahren zum Diskussionsfall machten, kommen in dem Film allerdings nicht vor, notiert Christine Lemke-Matwey in der Zeit, die das soweit auch sehr okay findet: "Man mag diese Leerstelle verwerflich finden, und ganz sicher wird Junkies of Dreaming auch so diskutiert werden: als Verrat an jener bestensgeöltenZeitgeist-Ethik, die befindet, nur derjenige sei ein wertzuschätzender Künstler, der sich politisch-moralisch bekenne. Bei Currentzis ist das nicht der Fall, und der Film lässt sich darauf ein. Ohne eine entsprechende Vorverabredung hätte der 54-Jährige den Dreharbeiten wohl ohnehin niemals zugestimmt, seine Medien-Hygiene ist in diesen Fragen rigoros. Und so beschreibt die vermeintliche Leerstelle kein Manko, sondern eher ein Credo: Um gute Kunst zu machen, muss der Glaube an die Kunst selbst unerschütterlich sein."
Hin und weg ist NZZ-Kritiker Ueli Bernays von "Sugungga", dem Debütalbum der südkoreanischen Band Leenalchi, und ihren "ganz eigenen geheimnisvollen Melodien und Klangbildern, in denen funkige Rhythmen mit traditionellen koreanischen Gesängen verschmelzen". Das Album schöpft reich aus dem koreanischen Sagen- und Mythenfundus: "Die sieben südkoreanischen Musiker bewähren sich als Vermittler. Die vertrauten funkigen und poppigen Grooves tragen einen förmlich hinein in die südkoreanische, geradezu märchenhafte Klangwelt. Den Rückweg tritt man dann mit neuen Inspirationen an. Im Westen hat man sich daran gewöhnt, dass Innovationen im Pop von neuen Instrumenten und Gerätschaften ausgehen. Auch bei Leenalchi arbeitet man zwar mit Synthesizer und Computer. Das Beispiel der Südkoreaner zeigt aber, wie die Musik allein durch Variationen des Gesangs verfremdet und erweitert werden kann."
Weiteres: In der FAZ freut sich Gerald Felber, dass der Palazzetto Bru Zane in Venedig die Komponistin Clémence de Grandval wiederentdecken lässt, deren Arbeiten "eine ernste, fast prä-expressionistische Strenge" eignet. Im Standardgratuliert Christoph Irrgeher SteveReich zum 90. Geburtstag. Hartmut Welscher spricht für VAN mit dem früheren Intendanten der Bodensee Philharmonie, BeatFehlmann, über die aktuelle missliche Lage seiner früheren Wirkungsstätte. Stefan Michalzik berichtet in der FR vom Auftakt des DeutschenJazzfestivals.
Besprochen werden das Biopic "The Yellow Tie" über den Dirigenten SergiuCelibidache (es "fängt übel an und wird immer schlimmer", stöhnt Hugh Morris in VAN), diverse BerlinerBeethovenkonzerte, bei denen VAN-Kritiker Albrecht Selge den Musikern sehr dankbar dafür ist, dass sie "alles andere als ihren gemütlichenHausstiefel runterspielen", TroyeSivans Album "She's The Best" (Standard), eine ARD-Doku über die NoAngels (Tsp) und CD-Editionen zum Geburtstag des Dirigenten Karl Richter (SZ, mehr dazu bereits hier).
Stefan Michalzik freut sich in der FR über das Comeback von ErykahBadu: Die Neo-Soul-Pionierin brachte mit "Before the World Blows" vor kurzem ihr erstes reguläres Studioalbum seit 16 Jahren auf den Markt. Darauf erweist sie sich auch durch die von The Alchemist beigesteuerten Beats einerseits als "Großmeisterin der Selbsterneuerung", bietet Kennern ihres Werks andererseits auch zahlreiche Anknüpfungspunkte: "Unverkennbar ist die psychedelisch-spirituelle Mixtur aus Soul, Funk, Jazz und Hip-Hop, die schon seit 'Baduizm' ihre Musik ausmacht", auch "die Beats sind noch immer von einer geruhsam-entspannten Art. ... Prägend ist nach wie vor der hörbare Charakter von Jams im Studio. In jedem Moment stellt sich das Gefühl ein, die Musik lasse sich Zeit ohne Ende, ob der Song nun über sieben Minuten braucht oder kaum mehr als zwei. Über allem liegt eine Leichtigkeit."
Weitere Artikel: Helmut Mauró schaut sich in der SZ beim Piano-Nachwuchs um und trifft dabei unter anderem auf NikolaMeeuwsen und LukasSternath.
Joachim Hentschel (SZ) fällt in Madrid die Kinnlade gehörig nach unten: "Sie haben für Shakira einen ganzen Mitternachtskarneval aufgebaut. Ein eigenes Oktoberfest mit Lateinamerika-Thema." Für dessen Gestaltung als Kulisse der beinahe letzten Konzerte des kolumbianischen Superstars war das Architekturbüros Bjarke Ingels Group gewonnen worden: Die schufen einen "riesigen Parcours aus Fantasiezelten und immersiven Mitmachstationen, und alles leuchtet im Dunkeln. ... Es wurde zuletzt ja viel über den weltweiten Aufstieg des lange weggeklickten und als reine Renitenzmusik gesehenen Latin Pop gesprochen, der in den vergangenen Jahren stattgefunden hat. Shakiras großer Auftritt in Madrid fühlt sich nun an, als wäre man gemeinsam mit Zehntausenden von Gierigen und Spaßwilligen mitten in einer Popwelt gelandet, nur zwei Flugstunden von Deutschland entfernt, die komplett auf dieser alternativen Landkarte basiert. Es ist sehr süß und sehr fantastisch." In der NZZ erinnert Wolfgang Stähr an den Bach-Dirigenten KarlRichter, der in den Sechziger- und Siebzigerjahren sehr gefeiert war, später auch aufgrund seiner muskelbepackt-schmetternden Interpretationen rasch zu den Akten gelegt wurde, aber nun mit einer großen, multimedialen Luxus-Edition zum hundertsten Geburtstag gewürdigt wird. Die Wiederbegegnung ist vor allem im historischen Abgleich interessant, gibt Stähr zu erkennen: Bei Richters Bach-Interpretationen "fehlt es nie an Intensität und Wahrhaftigkeit. Stattdessen mangelt es für heutige Ohren oft an Transparenz, Artikulation, tänzerischen Rhythmen, der Individualität der Stimmen, der Farbigkeit und Charakteristik der historischen Instrumente. Und nicht zuletzt steht die großformatige Besetzung der Chöre der Textverständlichkeit entgegen. Andererseits begreift man das Faszinosum dieses Dirigenten sofort beim Blick in eine Fernsehstudioproduktion der Matthäus-Passion von 1971: Richter lässt die Musik atmen und strömen, modelliert sie mit zurückhaltenden Bewegungen, mit Gesten von manueller Eleganz, wie man sie sonst nur von Carlos Kleiber oder von Mariss Jansons kannte."
Außerdem: Rita Argauer porträtiert in der SZ die Pianistin HanniLiang, die den seit einem Jahr in München angebotenen Studiengang "Konzertdesign" leitet. Besprochen werden ein Konzert von Bilderbuch in Berlin (taz) sowie deren neues Album (NZZ), CécileMcLorinSalvants Auftritt in Frankfurt (FR) und neue, anspruchsvolle Stromgitarrenmusik, darunter Deafheavens EP "At Work in the Fields of the Womb" (Standard).
Der russische Pianist AlexanderMalofeev galt einst als Wunderkind. 2022 verließ er seine Heimat aus Protest gegen Putins Eskalation in der Ukraine - die Exil-Erfahrung bildet auch den Hintergrund seines Debütalbums "Forgotten Melodies", für das er Werke vierer russischer Komponisten einspielt, die ebenfalls ins Exil gegangen sind, informiert Jan Brachmann in der FAZ. "Malofeev weiß, dass es zur Erfahrung des Exils gehört, sich eine Welt und eine Vergangenheit zu erfinden, die es so nie gab. Doch Malofeev nähert sich der Nostalgie ohne Ironie. Der Akzent liegt auf dem Schmerz darin." Wenn Malofeev Rachmaninows b-Moll-Sonate op. 36 in der Fassung von 1931 interpretiert, "spürt man die Spannung aus Unrast und Innehalten. Zwischen den krachenden Sturzbewegungen wirken die Lyrismen wie Intarsien der Nostalgie im Schutt des Terrors".
Weitere Artikel: Klaus Walter freut sich in der FR sehr, dass Thomas Venker und Linus Volkmann, die schon beim längst eingestellten Intro zusammenarbeiteten, ihr seit zehn Jahren betriebenes Popkultur-OnlinemagazinKaput in diesem Jahr erstmals, aber leider auch einmalig als Printausgabe fürs Schmuckkästchen veröffentlicht haben. Besprochen werden das neue Album von Bilderbuch (FAZ, SZ) und CameronWinters Album "Live at Carnegie Hall" (FR).
Keshavara, Kölner Musiker mit indischen Wurzeln, bekommt den Musikpreis seiner Heimatstadt verlieren, völlig zu Recht, meint Lars Fleischmann in der taz, der begeistert dem neuen Fusion-Album "Moondram Sevi" lauscht: "Sein Sound landet in der Interzone im Niemandsland zwischen Chillfunk, Psychedelika und HipHop-Instrumentals. Keshavaras indische Instrumente tragen illustre Namen. Bei der 'Shruti Box' handelt es sich um ein analoges Harmonium, das speziell zur Erzeugung von Borduntönen entwickelt wurde. Die nehmen in der traditionellen indischen Musik eine signifikante Rolle ein. In Indien ersetzt das Harmonium die Tanpura, die zumeist mit der Sitar verwechselt wird. Bei Keshavara ist sie für einen obskuren 'Wall of Bollywood Sound' verantwortlich." Wir hören rein:
Im Tagesspiegel ist Christian Schröder begeistert vom neuen Album "∞+1" der österreichischen Pop-Band Bilderbuch: "Es ist ein formatsprengendes Werk, auf dem es von allem zu viel gibt: zu viel Hall und Pathos, zu viele übereinander getürmte Synthi-Schichten, zu viele opernhafte E-Gitarren-Soli, die wirken, als sollten sie Van Halen oder Led Zeppelin übertrumpfen. Grandioser wurde man von Popmusik lange nicht überfordert. (…) Die Untergangs- und Hoffnungs-Hymne 'Irgendwo' scheppert metallisch, die stotternde E-Gitarre klingt wie angerostet. Die Rettung ist Liebe: 'Irgendwo brennt ein Licht / Wo immer du bist'." Und auch da hören wir natürlich rein:
Weiteres: Oliver Meiler erlebt für die SZCeline Dion bei ihrer Konzertreihe in Paris. Axel Brüggemann ärgert sich in Backstage Classical darüber, dass Simon Rattles Vertrag in München verlängert wurde, obwohl die Leistung des Orchesters zu wünschen übrig lässt. Elmar Krekeler porträtiert in der Welt den Orgel-Star Anna Lapwood vor. Die Welttrifft außerdem den Rapper Prinz Pi für ihr gemeinsam mit dem Rolling Stone betriebenes Interviewformat "MusikerGrillen".
Besprochen werden außerdem das neu aufgelegte Album "Ten Ragas to a Disco Beat" von Charanjit Singh (taz) und das Klassik-Album "Piano Heroines" der Pianistin Claire Huangci (NZZ).
VAN dokumentiert die Rede, die die belarusische Musikerin und Dirigentin MariaKalesnikava zum Auftakt des Beethovenfestes in Bonn gehalten hat. Wegen ihres Engagements für die Demokratie saß sie in Belarus fünf Jahre lang in Haft - weshalb die Freiheit in ihrer Rede einen zentralen Stellenwert einnimmt: "Solange wir frei sind, diskutieren wir Musikerinnen und Musiker über Arbeitsbedingungen, Repertoire, Finanzierung oder Institutionen. ... Dabei vergessen wir manchmal etwas viel Grundsätzlicheres: dass wir überhaupt frei spielen, interpretieren, mit anderen Menschen arbeiten und auf eine Bühne gehen können. Den wirklichen Wert dieser Möglichkeit habe ich erst verstanden, als ich sie nicht mehr hatte. Kultur kann in einer wohlhabenden Gesellschaft manchmal wie etwas Zusätzliches erscheinen. ... Meine eigene Erfahrung sagt mir aber etwas anderes. Gerade wenn einem Menschen fast alles Vertraute genommen wird, versteht man besonders deutlich, dass Musik, Literatur, Erinnerung und Vorstellungskraft keine Dekoration des Lebens sind. Sie gehören zu den Dingen, die einem Menschen helfen, sich selbst zu bewahren."
Im Interview mit dem VAN Magazin spricht der Dirigent André de Ridder über seine Arbeit, bei der er sehr mühelos zwischen Pop und Klassik wechselt. Tatsächlich könnte letztere sich von Pop ein paar verlernteTugenden abschauen, meint er: "Wir haben in der klassischen Musikwelt heutzutage sehr institutionalisierte Prozesse, in denen zum Beispiel 'Zeit' immer rarer wird. ... Das wirkliche In-die-Tiefe-Gehen kommt in der klassischen Musikwelt heutzutage immer wieder zu kurz. Umgekehrt sehe ich, wenn ich mit Leuten wie DamonAlbarn arbeite, dass selbst solche Superstars unter Umständen sechs Wochen an einem Song arbeiten, immer wieder reingehen und Kleinigkeiten verändern. ... Es gibt dieses Klischee, dass die Popwelt irgendwie schnelllebiger ist. Der sogenannte 'Turnover' der Klassikwelt mit ihrem Woche-zu-Woche-System - jedes Orchester muss jede Woche ein neues Abokonzert machen - ist oft viel schnelllebiger."
Weitere Artikel: "Die AfD ist aktuell leider die einzige Partei, die verstanden hat, wie wichtig Kultur für die Gesellschaft ist und wie sehr man über Kultur die Gesellschaft in ihrer Emotionalität packen kann", sagt Dahlia Borsche, Geschäftsführerin des Musikfonds Berlin, der Musikstipendien vergibt, im VAN-Gespräch: "In Sachsen-Anhalt haben sie als einzige Partei Kulturpolitik in ihrem Wahlprogramm so hoch angesetzt." Helene Slancar spricht für den Standard mit Bilderbuch-Sänger MauriceErnst über das neue Album seiner Band. Dagmar Leischow plaudert in der FR mit dem Geiger DavidGarrett. Christoph Forsthoff blickt in der NZZ auf die Lage des Schweizer FestivalsKlosters Music. Und René Walter präsentiert in seinem Substack Good Music einen ganzen Blumenstrauß neuerMusikvideos, darunter diesen LoFi-Schrammelpop von TwistedTeens:
Unter Puristen findet das neue The-Fall-Album "Post Scipt" keine Freunde - es basiert auf zwischen 2001 und 2014 entstandenen Gesangsaufnahmen des 2018 gestorbenen Sängers MarkE. Smith, informiert Max Dax in der FR. Aufnahmen, "die von den Produzenten Ed Blaney und Simon Archer in neue Klangwelten hineincollagiert wurden. Ein intertextueller Copy-and-Paste-Prozess, der der hybridenArbeitsmethode von Mark E. Smith in den letzten Jahren seines Lebens durchaus entspricht. ... Denn anstatt zu versuchen, The Fall wie in einer posthumen Legacy- oder Lost-Tapes-Vermarktung zu monetarisieren, steht dieses Album für einen an Radikalität nicht zu überbietenden Versuch, Mark E. Smiths Stimme, sein Mikro-Timing, seine gesangliche Präsenz in Rhythmus und Sprache in einen neuen Aggregatzustand zu überführen. In der rauen, metallischeren Umgebung der aggressiv-amphetamin-getriebenenSoundscapes wandeln sich seine Worte zu etwas seltsam Vertrautem, zugleich Deplatziertem und gerade deshalb seltsam Über-Lebendigem. Die Frage nach der Authentizität war in der Welt des Post-Punk schon immer nebensächlich. 'Authentisch' - das waren immer die anderen."
Weiteres: Florentin Schumacher porträtiert in der Zeit den bayerischen Schlagerrapper Tream. Besprochen werden DangerDans Album "Keine Angst" (taz), ein Konzert von Soap&Skin (taz) und die auf Mubi gezeigte Doku-Serie über Jay-Z (Zeit).
Auf BackstageClassicalsorgt sich Axel Brüggemann darüber, dass das Deutschlandradio im Zuge seiner für November angekündigten Programmreform im Hinblick auf seine Klassik-Berichterstattung verflachen könnte: "Wohin die Sehnsucht der öffentlich-rechtlichen Sender nach einer Erweiterung des Kulturbegriffs und einer Profanisierung des Programms führen kann, ist in anderen Teilen bereits zu beobachten. Etwa bei den digitalen Angeboten von ARD Klassik. Dort übernimmt der öffentlich-rechtliche Rundfunk zunehmend die Sprache der Influencer: kurze Clips, schnelle Pointen, Personality, Emotion und möglichst niedrige Zugangsschwellen. ... Indem sich das Kulturradio immer weiter der Breite öffnet, droht es sich zugleich gedanklich zu nivellieren. Und hier droht es dann zu verlieren, worauf es besonders angewiesen ist: ein kulturbürgerliches Publikum."
Weiteres: Peter Kemper berichtet in der FAZ vom "EnjoyJazz"-Festival in der Rhein-Neckar-Region, wo unter anderem SouadMassi, TrygveSeim und TordGustavsen spielten. Besprochen werden ein von ElimChan dirigiertes Konzert der WienerSymphoniker mit GidonKremer (Standard), FrankieRoses Album "Hila" (FR) und "Keine Angst" von DangerDan, ein Album, auf dem "keine Satzstellung sitzt, alles ist in aufrichtiger Weise uncool", wie Daniel Gerhardt auf ZeitOnline schreibt.
Kazuki Yamada hat sein erstes offizielles Konzert als neuer Leiter des DeutschenSymphonie-OrchestersBerlin gegeben. Clemens Haustein von der FAZ ging mit vielen Fragen nach Hause: "Was Yamada (...) bei EdvardGriegs Klavierkonzert wie bei ClaudeDebussys 'La Mer' zunächst vermitteln möchte, ist die lächelnde Lust am Musizieren. Nichts soll beschweren, nichts die Lust mindern. Aber ist das wirklich der goldene Weg? Steckt im zweiten Satz von Griegs Klavierkonzert neben blanker Schönheit nicht auch tiefe Melancholie? Ist 'La Mer' bei allem Hin und Her energetischer Ströme, von denen sich Yamada treiben lässt wie ein froh gelaunter Schiffer, nicht auch ein überwältigend kunstreiches Mosaik pointilistisch anmutender Einzelereignisse?"
Deutlich beschwingter verließ VAN-Kritiker Albrecht Selge den Saal: Bei Debussy etwa lässt Yamada "musikalische Farben leuchten, enorm ist die innere Anspannung zwischen Andacht und Erhabenheit, bestechend das Flirren der Holzbläser im zweiten Satz. Doch am deutlichsten betont Yamada in dieser Musik die Bewegungsenergie. Soweit sich das hörend beobachten lässt, herrscht hohes Einvernehmen zwischen dem Orchester und seinem neuen Chef. Deutlich spürbar ist die gegenseitige Begeisterungsfähigkeit. Von 'Aufbruch' ist viel zu hören an diesem Abend. Wohin genau die Reise des Orchesters mit Yamada, der zuvor erst zweimal beim DSO dirigierte, führen wird, scheint abseits dieser Begeisterung noch nicht ganz klar."
Außerdem: Linus Volkmann blickt im Kaput-Talk gemeinsam mit RockoSchamoni auf dessen Leben und Werk zurück. Ann Toma-Toader berichtet in der taz vom AggregateFestivalin Berlin, bei dem klassischeKirchenorgeln via MIDI-Modifikation elektronisch gespielt werden.
Besprochen werden ein von AnjaBiehlmaier dirigiertes Konzert des BBCPhilharmonicOrchestra in Frankfurt (FR), neue, avancierte Rockmusik, darunter das Livealbum "Newly Sentient Being" der Swans (Standard), und eine neue Luxus-Ausgabe des Beatles-Album "Rubber Soul" mit einem Stereo-Upmix des Albums und zahlreichen Outtakes (NZZ).
Hana Ćopić ärgert sich im Tagesspiegel darüber, dass die Berliner Konzerte der serbischen Popmusikerin Ceca als harmloses Popvergnügen beworben werden, obwohl sie eng mit dem serbischenNationalismus verflochten ist - so ist sie etwa die Witwe von "ZeljkoRažnatović, genannt Arkan. Dieser war in den 1990ern ein wichtiger Akteur des organisierten Verbrechens in Jugoslawien, Anführer einer paramilitärischen Einheit und Gründer einer Partei, die während der Kriege in Kroatien und Bosnien und Herzegowina an Tötungen, Verfolgung und Vertreibung beteiligt war." Cecas "Verhältnis zu Arkans System von politischer, paramilitärischer und wirtschaftlicher Macht war nicht nur privat, sondern öffentlich, symbolisch und geschäftlich. Beide Karrieren haben voneinanderprofitiert."
Außerdem: Torsten Groß spricht für ZeitOnline mit MarcoWanda über das für nächstes Jahr angekündigte neue Album seiner Band Wanda, das gerade in England aufgenommen wird. Tobias Prüwer spricht in der Jungle World mit Jan-Tage Kühling über das von ihm geleitete Festival "StellarFrequencies". Besprochen werden ein Konzert des RSOWien unter MarkusPoschner (Standard) und das neue Album der Postpunkband YardAct (taz).
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