Efeu - Die Kulturrundschau

Die besten Kritiken vom Tage. Wochentags um 9 Uhr, sonnabends um 10 Uhr.

September 2026

Bald fliegen die Beine

04.09.2026. Die Filmkritiker verlieben sich in Venedig in die symbiotischen Zwillingsschwestern, die Werner Herzog durch die Weite der irischen Landschaft schickt. Dem Guardian bleibt vor Rührung das Herz fast stehen, nachdem er den Teppich von Bayeux nach 950 Jahren erstmals wieder in England bewundern durfte. In der SZ überlegen Matthias Lilienthal und Çagla Ilk, warum ihre Theater mehr sparen müssen als andere Häuser. Und ZeitOnline meint: Mit dem Auftritt von Dahabflex hat die Berliner Linke ihren Wahlsieg vergeigt.

Flirt auf des Messers Schneide

03.09.2026. Die Zeit blickt auf den Boykott israelischer und jüdischer Stimmen in der Literatur, die selbst zum Verstummen gebracht werden, wenn sie in Israel Morddrohungen erhalten. Die FAZ erklärt der AfD, wie idiotisch es ist, sich ausgerechnet mit Novalis zu schmücken. Außerdem lernt FAZ am Bauhaus Dessau: Algen, Hanf und Pilze sind die Zukunft des Bauens. Die NZZ blickt verträumt in die Wolken in einer Berner Ausstellung über Freilichtmalerei.

Der Maestro wird zur Marke

02.09.2026. Die Eröffnung der Filmfestspiele Venedig zeigt, dass sich das Kino in einer Existenzkrise befindet, seufzt der Tagesspiegel. Der Freitag erwartet derweil die auf Festivals inzwischen üblichen harschen Auseinandersetzungen um Gaza und Russland. Außerdem bejubeln die Filmkritiker Paweł Pawlikowskis Thomas-Mann-Film "Vaterland". Die SZ begeistert sich auf der Ruhrtriennale für Solal Mariotte und Anne Teresa De Keersmaekers getanzten Fiebertraum "Brel". Doch kein Milliardengrab? Die Welt zumindest ist voller Lob für die sauteure, aber äußerst elegant restaurierte Oper Köln.

Ultimative Reinwaschung

01.09.2026. Monopol trifft in einer Ausstellung des Bildhauers Charles Ray in Kassel riesige Madonnen und sehr kleine Mädchen, die Welt sucht dort vergeblich den Skandal. Die FAZ fragt sich nach der Lektüre von Wolfgang Ratherts Karajan-Biografie, ob der vielleicht doch mehr "Gesinnungsnazi" war als angenommen. Die Welt lässt sich bei Tanz im August von der Marseiller Balletttruppe "(La) Horde" und ihrem Stück "Nach mir die Sintflut" aus dem Sitz spülen. Der Schriftsteller Ingo Schulze ärgert sich im Freitag, dass ihn im "Gittersee"-Skandal niemand hat zu Wort kommen lassen.